Generationenprojekt: «Die gegenseitige Freude war spürbar»

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Seit einiger Zeit führen wir mit dem Pflegeheim Heiligkreuz ein Generationenprojekt durch. Mit Einfallsreichtum schaffen wir ein Miteinander trotz Corona. Wo die Herausforderungen liegen und weshalb der Austausch zwischen Jung und Alt wichtig ist, erzählen die beiden Verantwortlichen Leonie Züst, pädagogische Fachperson im Fiorino St.Gallen Ost, und Nadine Zanitti, Leitung Aktivierung des Pflegeheims Heiligkreuz, im Interview.

 

Leonie, wie seid ihr auf die Idee mit dem generationenübergreifenden Projekt gekommen?

Leonie: Corina, unsere Leiterin, hatte die Projektidee und damit bei einem Treffen den Leiter des Pflegeheims, Urs Meier, begeistert. Nachdem die beiden die wichtigsten Punkte zur Realisierung besprochen hatten, gleiste Corina das Projekt zusammen mit Nadine Zanitti auf und übergab es mir. Ich war sofort Feuer und Flamme dafür und machte mich mit Nadine an die Umsetzung.

 

Weshalb ist der Austausch zwischen Jung und Alt wichtig?

Leonie: Die Kinder und die Bewohnerinnen können voneinander lernen. Die Begegnungen bringen beiden Seiten Freude. Es können Kontakte geknüpft werden und Freundschaften entstehen.

 

Nadine: Der Kontakt im Quartier steigert das Wohlbefinden aller Beteiligten. Die Betagten können sich durch diese Begegnungen mit ihrer Biografie auseinandersetzen, ihre Erfahrungen und ihr Wissen weitergeben. Zudem können sie sich von der Freude der Kinder anstecken lassen. Die Kinder, im Gegenzug, erfahren die Zuwendung von älteren Menschen. Sie können den Umgang mit der älteren Generation erproben und vieles aus den Situationen lernen. Es entstehen nachbarschaftliche oder gar freundschaftliche Kontakte.

 

Wo liegen die Herausforderungen?

Leonie: Den Kontakt trotz Abstand aufrechtzuerhalten, ist herausfordernd. Wir führen Brieffreundschaften und verabreden uns zu Winktreffen oder Zoom-Begegnungen. Ein virtuelles Treffen ersetzt ein reales aber nur bedingt. Ich beobachte, dass die Konzentration beispielsweise beim Geschichtenhören via Zoom bei den Kindern schnell einmal abnimmt.

 

Nadine: Zu Beginn war es schwierig, die Bewohnerinnen zu motivieren; es herrschte eine grosse Lockdown-Müdigkeit. Eine andere Herausforderung: Der Briefaustausch. Die Bewohnerinnen können oder wollen die Briefe nicht selber verfassen, deshalb unterstütze ich sie beim Schreiben. Nicht selten sind pro Person mehrere Anläufe nötig: Manchmal passt die Tagesverfassung gerade nicht, es ist Besuch da oder es gibt sonst irgendeinen Grund, es zu verschieben. Das ist zeitaufwendig, braucht Nerven und Flexibilität.

Die Geschichte vom Regenbogenfisch wird den Kindern über Zoom vorgelesen

 

Nadine, wie erlebst du die Bewohnerinnen, die am Projekt teilnehmen?

Nach den Lockdown-bedingten Anfangsschwierigkeiten habe ich nun das Gefühl, dass die Bewohnerinnen mit dem Voranschreiten des Projektes immer mehr auftauen. Vor allem unser Winktreffen hat sehr viel angestossen. Die Bewohnerinnen hatten sehr grosse Freude, die Kinder zu sehen und sind seither viel leichter zu motivieren, abgesehen von einer Teilnehmerin, die ausstieg, weil sie durch die Kinder schmerzhaft an ihre Enkel erinnert wurde, die sie aktuell nicht sehen darf.

 

Wie nimmst du, Leonie, die teilnehmenden Kinder wahr?

Die Kinder sind sehr «gwundrig». Insbesondere die drei teilnehmenden Kindergärtler:innen wollen alles von den Bewohnerinnen wissen. Hie und da braucht es eine kleine Erinnerungsstütze, etwa wenn ein Kind fragt: «Wie heisst mini Frau scho wieder?». Das Projekt beschäftigt die Kinder, im positiven Sinne.

 

Was hat euch am meisten gefreut?

Leonie: Die erste Live-Begegnung war ein sehr freudiges und lebhaftes Ereignis. Wir trafen uns beim Pflegeheim vor dem Fenster. Dort haben wir uns zugewinkt und einander Fragen gestellt. Trotz der Fensterscheibe als Hindernis wurde viel gelacht und erzählt. Wir freuen uns auf die nächsten Begegnungen.

 

Nadine: Ich war beeindruckt, wie leicht die Kinder auf unsere Bewohnerinnen zugehen trotz der Fensterscheibe, wie interessiert sie an ihnen sind und umgekehrt. Die gegenseitige Freude war wirklich spürbar. Das war schön.

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